In keiner Linsensammlung darf wohl ein Vertreter der russischen Helios 44 Baureihe fehlen. Helios 44 Objektive gehörten ab Ende der 1950er Jahre zur Standardausrüstung russischer Kameraerzeugnisse und wurde bis zur Jahrtausendwende in über 50 verschiedenen Varianten in der UdSSR produziert. Das Helios 44 ist im Prinzip eine Kopie eines Zeiss Biotars, welches um 1927 von Willi Merté für Zeiss errechnet wurde. Die Konstruktion folgt dem Prinzip eines erweiterten Gausschen Doppelobjektiv. 
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Fabrikationsstätten der Carl Zeiss Fabrik in Jena richtiggehend zerlegt und viele Maschinen und Knowhow als Reparationsleistungen in die ehem. UdSSR transferiert. Damit gelang auch das Wissen über das Biotar in die UdSSR, wo es massenhaft kopiert und als Helios 44 verkauft wurde. Gemeinsam mit den bekannten Zenit Kameras trat so das Helios 44 seine Reise rund um die Welt an. 
Kleiner Exkurs zu den Zeiss Werken: Bereits bei Kriegsende holten sich die Amerikaner rund 80 der führenden Ingenieure inkl. der Firmendokumente. Dies bildete den Grundstein für die Firma Carl Zeiss in Oberkochen. Aus dem wenigen Material, was nach den Amerikanern und den Russen noch in Jena verblieb, entstand Ende der 1940er Jahre die VEB Carl Zeiss Jena (DDR). In den 1970er Jahren wurden aus den beiden Zeiss Nachfolgeunternehmungen erbitterte Feinde, die sich lange um die Markenrechte Zeiss zankten. Nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands schlossen sich auch die beiden Unternehmungen wieder zur Carl Zeiss AG zusammen. Aber wieder zurück zum Helios Objektiv... 
In der Sowjetunion wurden Helios Objektive von verschiedenen Firmen in unterschiedlichen Qualitäten hergestellt. Diese unterscheiden sich in der Materialwahl, mechanischen Details und Vergütung (44-2, 44-3, 44M, 44M-4, 44M-5, u.v.a). Die optische Grundkonstruktion blieb mehr oder weniger immer dieselbe. 
Um wenigstens den Hauch an Spezialität zu erreichen, besorgte ich mir via Ebay ein Helios 44-2 von meinem Geburtsjahr. Bei den meisten Helios-Objektiven bilden die ersten beiden Ziffern der Serienummer den Jahrgang ab. Meines trägt die Nummer 7202258 und stammt somit von 1972. Für die damalige Zeit ganz en Vogue kommt mein Helios 44-2 im Zebra-Look daher und stammt von der Minsk Mechanical Factory (MMZ, heute BelOMO). Aus heutiger Perspektive handelt es sich also um ein belarussisches Objektiv. Es verfügt über ein M42 Gewinde und benötigt einen entsprechenden Adapter, in meinem Fall zum L-Mount. Dieser sorgt mit seinen gut 2 cm Breite dafür, dass das Objektiv nicht mehr ganz so winzig wirkt, wie es eigentlich ist.
Technische Daten:
Hersteller: Minsk Mechanical Factory (MMZ, heute Belomo)
Baujahr: 1972
Serienummer: N7202258
Brennweite: 58 mm
Lichtstärke: 1:2.0
Konstruktion: 6 Linsenelemente in 4 Gruppen
Blendenlamellen: 8
Blende: f/2,0 bis f/16
Naheinstellgrenze: 0.5 m
Anschluss: M42 Schraubgewinde
Gewicht: 225 gr.
Die Brennweite von 58 mm ist für mich etwas gewöhungsbedürftig, umso mehr mir eigentlich weitwinkelige Optiken besser liegen. Trotz seines Alters und der wohl kaum vorhandenen Vergütung liefert mein Helios brauchbare Resultate, vor allem im Zentrumsbereich verfügt es über eine gute Schärfe. Offenblendig wird's etwas matschig, gut sichtbare Vignettierung ist auch vorhanden und das Bokeh wirkt leicht seifenblasig (vgl. 1 Bild unten). Etwas abgeblendet wird dass Bokeh schön weich und das Bildzentrum hinreichend scharf für Portraits.
f/2.0
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f/8.0
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f/11
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f/4.0
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f/8.0
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Die nachfolgende Bilderserie zeigt, dass das Helios durchaus auch für Landschaften eingesetzt werden kann. Um eine knackige Schärfe zu erhalten, lohnt es sich allerdings, in den mittleren Blendenbereich abzublenden, wovon vor allem die Randbereich profitieren (links offenblendig, nach rechts abgeblendet).
Wer es gern ein bisschen Vintage mag, kann natürlich mit den offenblendigen Qualitätsverlusten in den Rand- und Eckbereichen spielen.
f/2.0
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f/4.0
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f/8.0
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An der Reihe unten zeigt sich die Farbverschiebung, welche sich an meiner Lumix S5 von offener Blende (links: warm, Gelbstich) zu geschlossener Blende (rechts: kalt, Blaustich) zeigt. Dies kann natürlich in der Nachbearbeitung, z.B. mit Lightroom, problemlos korrigert werden.
f/2.0
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f/2.8
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f/4.0
f/4.0
f/5.6
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f/8.0
f/8.0
f/11.0
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Die mangelhafte Vergütung der Linsen zeigt sich in doch erheblichen Reflexionen. Natürlich ist der Blick durch den Blätterwald in die Sonne schon ein Extrembeispiel, zeigt aber, mit welchen Effekten allenfalls gestalterische gespielt werden kann (links: geschlossene Blende, rechts: offene Blende).
f/2.0
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f/8.0
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Das Helios 44-2 58 mm f/2.0 ist bekannt für sein chrakteristisches Swirl-Bokeh. Damit dieser Effekt gut wahrnehmbar wird, müssen das fokussierte Objekt/Subjekt und der Hintergrund in einem idealen Abstandsverhältnis sein. Leider habe ich bis jetzt hierzu noch kein geeignetes Foto. Aber bei der Rosenaufnahme oben lässt sich beim ersten Bild der Effekt leicht erahnen.

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